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Ausblick auf den Oktober: Jetzt wird es heikel!

von Christian Waffenschmidt
Experte für Wirtschaftspolitik bei Finanztrends.info

Wir stehen vor der ersten vollen Oktoberwoche an den Aktienbörsen. Die jüngsten Ereignisse zeigen, dass es heikel wird. Die Zahlen, die bislang als Schätzung auf die Quartalszahlen kursieren, sind aus meiner Sicht zumindest alarmierend. Der S&P 500 mit 500 Unternehmen dient hier als bestes Beispiel. 113 Konzerne, deren Aktien in dem Index vertreten sind, haben die Märkte darüber informiert, dass sie ihre Prognosen korrigieren müssen. 73 % davon gehen von schwächeren Gewinne aus als angenommen.

Dabei sind vor allem Unternehmen aus konjunkturabhängigen Sektoren hervorgetreten: ExxonMobil für die Ölproduzenten oder zyklische Konsumunternehmen wie Amazon und Ford. Das zeigt, dass die schwächere Konjunktur sich inzwischen bei den Ergebnissen in den Unternehmen niederschlagen wird.

Die US-Autoindustrie ist nach den jüngsten Berichten besonders schwach. Die Absatzzahlen insgesamt gingen zurück, während sie beispielsweise für Mercedes-Benz in den USA noch kletterten. Weltweit jedoch würden nun weniger Fahrzeuge abgesetzt, was unter anderem auch an den Strafzöllen von Donald Trump gegen China hängen würde – bzw. an Chinas Reaktionen darauf. Wenn die Autoindustrie wie jetzt sichtbar schwächelt, leiden nun auch die Zulieferer.

Analysten werden nervös

Analysten, die Gewinnschätzungen zum dritten Quartal abgegeben haben, werden offenbar ebenfalls nervös. Die Gewinne seien im dritten Quartal im Vergleich zum dritten Quartal 2018 um 3,7 % niedriger ausgefallen. Das wiederum wäre das dritte Quartal nacheinander, in dem die Gewinne sinken. Damit wäre die Trendwende zumindest bei den Unternehmensgewinnen endgültig eingeläutet.

Diese Zahlen wiederum zeigen auch, dass wir in Deutschland und in Europa mit einem härteren Winter rechnen müssen. denn die USA sind ungefähr für ein Viertel der gesamten Weltwirtschaft verantwortlich, erzeugen also die entsprechende Nachfrage. Wenn die Unternehmen weniger verdienen, dann liegt dies an den Konsumenten, die dort weniger kaufen wie auch daran, dass die Auslandsgeschäfte schwächer werden. Geringere Umsätze der US-Unternehmen wiederum führen zu sinkenden Einkommen – sowohl bei Arbeitnehmern wie auch bei Kapitaleignern.

Noch sind die Signale schwach und teils durch wieder positivere Nachrichten etwas besser. Nur mehren sich die negativen Vorzeichen. Die Zinssenkung durch die Fed wird erfahrungsgemäß zwar kurzfristig von den Aktienbörsen positiv aufgenommen, der Effekt ist jedoch schon wieder verpufft. Wenn überhaupt, dauert es einige Monate, bis sich der niedrigere Zins nachhaltig in einer größeren Nachfrage niederschlägt.

Schon wird auch der US-Präsident nervös. Inzwischen gibt es Überlegungen, Geld, das nach China wandert, zurückzuhalten. Dafür sollen US-Pensionsfonds gedeckelt werden, die maßgebliche Kapitalvolumina verwalten. Dies wäre eine Kapitalverkehrskontrolle ganz eigener Art und nicht nur Teil des Handelskrieges. Trumps Regierung versucht offenbar, das Geld im Land zu halten, um letztlich den Konsum selbst anzukurbeln.

Die jüngste Nachricht, wonach die Warnungen zunehmen, sollten wir also meiner Meinung nach beachten – die Rezession dürfte kommen. Sie trifft auf hochverschuldete Staaten, von denen die USA sogar Rekordschulden angehäuft haben. Zudem gibt es kaum noch Spielraum für Zinssenkungen – auch in den USA nicht. Die Rezession kommt – und dies eher früher als später.

Quelle:  Finanz-Trends