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Warum Sie nicht mehr als 4 Medikamente gleichzeitig einnehmen sollten

von Team maxLQ

Die Hälfte aller Deutschen über 65 Jahre nimmt täglich mindestens fünf verschiedene Medikamente ein. Wenn Sie an mehreren chronischen Krankheiten leiden – z. B. Bluthochdruck, Diabetes plus Herzschwäche –, kommen Sie vermutlich locker auf zehn oder mehr. Das ist ein Wahnsinn! Denn niemand weiß, welche Wechselwirkungen Ihnen drohen. Schwindel oder Inkontinenz sind noch die harmloseren. Lesen Sie hier, welche Medikamente für ältere Menschen besonders riskant sind.

Eine Anfrage an die Bundesregierung ergab im Jahr 2018: Jährlich werden hierzulande 250.000 Menschen allein wegen Wechselwirkungen ihrer Medikamente in eine Klinik eingewiesen.

Weitere vermeidbare Probleme mit Medikamenten sind z. B. Überdosierungen oder die falsche Mittelwahl. Ein Drittel aller Klinikeinweisungen gehen mittlerweile in Deutschland darauf zurück. Das sind mehr als 6 Millionen Fälle jährlich!

Bei älteren Patienten ist das Problem noch größer: Jeder Zweite über 70 kommt nur ins Krankenhaus, weil er von seinen Ärzten die falschen Medikamente erhält!

Ab 4 Wirkstoffen wird der Schaden größer als der Nutzen

Das besondere Problem: Ältere Patienten bekommen aufgrund verschiedener Krankheiten oft zahlreiche Medikamente verordnet. Gleichzeitig fällt es Ihrem Körper zunehmend schwerer, die Wirkstoffe wieder abzubauen. Beispielsweise geht die Entgiftungsleistung von Leber und Nieren im Alter um die Hälfte zurück.

Das sind typische Folgen von Medikamenten-Wechselwirkungen

> Demenzsymptome, Vergesslichkeit, Verwirrtheit
> Schwindel, erhöhtes Sturzrisiko
> Schläfrigkeit, Unkonzentriertheit
> Inkontinenz
> plötzliche Teilnahmslosigkeit
> innere Blutungen
> Magengeschwüre
> Herzrhythmusstörungen, Herzrasen
> Vitalstoffmängel
> Muskelschmerzen

Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt grundsätzlich, möglichst nicht mehr als vier unterschiedliche Wirkstoffe gleichzeitig einzunehmen. Ab dann wird der Schaden voraussichtlich größer als der Nutzen.

Hausärzte sind mit den vielen Medikamenten oft überfordert

Klar ist auch: Bei der Fülle der heutigen Medikamente kann kein Hausarzt wirklich noch überblicken, welche Kombinationen für ältere Menschen gefährlich sind. Daher gibt es zahlreiche, von unabhängigen Experten erstellte Listen, die bei der Verordnung helfen sollen. Speziell auf Deutschland abgestimmt sind die Priscus- und die FORTA-Liste (siehe Kasten oben). Leider sind sie in der Ärzteschaft immer noch viel zu wenig bekannt.

Diese Wirkstoffe sollte Ihnen Ihr Arzt im Alter nicht mehr verordnen:

> Bluthochdruck: Betablocker (außer Atenolol), Clonidin, Minoxidil
> Bronchitis (chronische): Kortison (außer als Spray), Codein, Butamirat
> Demenz: Clozapin, Haloperidol, Zopiclon, Benzodiazepine
> Diabetes: Rosiglitazon, Glibenclamid
> Herzinfarkt: Amiodaron
> Inkontinenz: Oxybutynin
> Osteoporose: Strontiumranelat, Nandrolon, Östrogen
> Parkinson: Cabergolin, Amantadin, Biperide
> Schlafstörungen: Doxepin, Oxazepam
> Schmerzen: Carbamazepin, Amitriptylin, NSAR und COXII-Hemmer
   (Langzeiteinnahme)
> Vorhofflimmern: Dronedaron, ASS (100 mg), Diltiazem, Verapamil

Quelle:  2019 FID Verlag GmbH