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Was hat Macron vor? „Neue europäische Zivilisation“ mit Russland

Bei seiner Rede auf einer Botschafterkonferenz in Paris, über die man in den deutschen Medien seltsamerweise kaum Berichte findet, sprach Frankreichs Präsident Macron darüber, „eine neue europäische Zivilisation errichten zu wollen“. Europa müsse seine Beziehungen mit anderen Staaten neu überdenken, denn „wir würden gerade Zeugen des Endes der westlichen Hegemonie über die Welt“, so Macron.

Macron sprach aus, was viele Analysten bereits seit Jahren wissen und sagen. Macron sagte, dass sich die wirtschaftlichen Dominanz-Verhältnisse ändern würden. China und Russland seien in die erste Reihe getreten und Russland erziele mit seiner Strategie immer mehr Erfolge. Seiner Meinung nach durchlebe die bisher bekannte Weltordnung eine „beispiellose Krise“, eine „Krise der Marktwirtschaft und riesige technologische und ökologische Schocks“.

Europa, so Macron weiter, habe bislang keine Strategie, mit den veränderten Machtverhältnissen umzugehen. Europa drohe zwischen den Zivilisationen zu verschwinden. Die Welt werde um zwei große Pole herum strukturiert sein: Die USA und China. Europa müsse seinen Anteil in der neuen Welt haben, um nicht von den Landkarten zu verschwinden. Deswegen müsse Europa seine Beziehungen zu Russland überdenken.

Es sei nun an den Europäern, Russland eine strategische Option anzubieten, so Macron, denn Europa könne sich keinen Unilateralismus oder Bilateralismus leisten. Europa müsse eine neue Architektur des Vertrauens und der Sicherheit in Europa aufbauen.

Die Zurückweisung Russlands sei für Europa ein strategischer Fehler gewesen und eine Belebung der europäischen Zivilisationen könne nicht ohne ein tiefgreifendes Umdenken der Beziehungen zu Russland erreicht werden. Russland sei bislang als eine „Art trojanisches Pferd in Europa angesehen worden; das Verhältnis sei von Misstrauen geprägt gewesen. Dies entspreche aber nicht mehr unseren Interessen“, so Macron.

Macron hatte sich kurz vor dem G7-Gipfel mit Wladmir Putin in Fort de Brégancon getroffen, einer mittelalterlichen Festung auf einer kleinen Insel vor der Mittelmeerküste. Dort hatte er beschlossen, eine Arbeitsgruppe einzurichten, die Fragen im Zusammenhang mit dem Bau einer neuen Sicherheitsarchitektur und eines Aufbaus von gegenseitigem Vertrauen in Europa behandeln soll.

Ungewöhnliche Worte des französischen Präsidenten Macron. Was ist mit ihm geschehen? Was ist hinter den Kulissen passiert? Die Welt ändert sich tatsächlich und auch ein kleiner Macron muss vielleicht einsehen, dass er gegen einen Trump oder einen Putin nichts ausrichten kann, vor allem nicht ohne einen der beiden. Europa kann sich alleine nicht gegen Chinas wachsende Wirtschaftsmacht behaupten. Das einzige vernünftige Bündnis ist das uralte Bündnis, das seit Jahrhunderten bestand: Das Bündnis zwischen Europa und Russland, das sich ohnehin zu Europa zugehörig sieht.

Quelle:  Watergate