Phoenix-Blog

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Deutschland wird zum neuen Sorgenkind der Euro-Zone!

Wie schnell sich die Zeiten doch ändern. Lange, ja sehr lange galt Deutschland ja als Primus, als Musterknabe und Vorbild in Europa. Es war vom deutschen Wirtschaftswunder 2.0 die Rede. Manch einer träumte sogar von einem über Jahre, ja Jahrzehnte anhaltenden Aufschwung. Oftmals war wohl hier Wunschdenken Trumpf.

Deutsche Wirtschaft auf Schrumpfkurs

Jetzt ist es auch amtlich, höchstoffiziell bestätigt, dass die deutsche Wirtschaft im Frühjahrsquartal 2019 auf Schrumpfkurs gegangen ist. Damit schnitt Deutschland deutlich schlechter als die anderen großen Länder in der krisengeplagten Euro-Zone ab. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt schrumpfte laut Statistischem Bundesamt von April bis Juni um 0,1 Prozent zum Vorquartal. Schrumpft die deutsche Wirtschaft auch im laufenden Sommerquartal erneut, wird zumindest von einer “technischen Rezession” gesprochen. Zwei Minus-Quartale in Folge gab es zuletzt um den Jahreswechsel 2012/13.

Selbst das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) schraubte laut Reuters nach Auswertung der aktuellen Indikatoren die Rezessionswahrscheinlichkeit derzeit auf 43 Prozent hoch. Deutschlands Konjunktur stehe auf der Kippe, so die Warnung des wissenschaftlichen Direktors des IMK, Sebastian Dullien.

Deutschland neues Sorgenkind

Auffällig ist momentan, dass die anderen großen Staaten in Europa momentan deutlich besser abschneiden als Deutschland. Die Nummer der Euro-Zone, Frankreich, wuchs im zweiten Quartal um 0,2 Prozent, während die Nummer drei Italien stagnierte. Spanien und die Niederlande schafften sogar jeweils ein Plus von 0,5 Prozent. Aus dem einstigen Musterknaben Deutschland sei ein Sorgenkind geworden, so der Chefvolkswirt des Bankhauses Lampe, Alexander Krüger. Mit Blick auf die Aussichten für die zweite Jahreshälfte kann auch von einer bestenfalls gedämpften Ausgangslage gesprochen werden. Reuters berichtete, dass das von der EU-Kommission ermittelte Wirtschaftsklima im Juli auf den niedrigsten Stand seit vier Jahren gefallen sei. Besonders in der Industrie mache sich vermehrt Pessimismus breit. Aber auch Dienstleister, Einzelhändler und Baubranche meldeten eine Eintrübung.

Ja, die Risiken für die extrem außenwirtschaftlich abhängige deutsche Wirtschaft werden auch im zweiten Halbjahr nicht geringer. Es droht sogar ein regelrechter Absturz, sollten die Befürchtungen mit Blick auf einen ungeordneten, ja harten Brexit Ende Oktober diesen Jahres Wirklichkeit werden. Aktuell wird ja beinah täglich ein EU-Austritt Großbritanniens ohne Scheidungsvertrag wahrscheinlicher.

Neben dem Brexit sollte man aber auch den Handelsstreit USA-China und mögliche US-Zölle auf europäische Autos genau beobachten. Auch von der Front droht Ungemach. Stellen wir uns also auf einen wahrlich „heißen Herbst“ ein. Gut möglich, dass dann aus dem Sorgenkind Deutschland der „kranke Mann“ Europas geworden ist. Das kann extrem schnell gehen...

Quelle:  GEVESTOR - Günter Hannich