Phoenix-Blog

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Achtung: Wechselwirkung zwischen Arznei und Lebensmitteln

von Prof. (DHfPG) Dr. Thomas Wessinghage.

Nicht alles, was auf Ihren Teller kommt, verträgt sich mit den Arzneimitteln, die Sie einnehmen müssen. Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Medikamenten sind seit längerer Zeit bekannt (und gefürchtet). Ähnliche Wechselwirkungen gibt es jedoch auch zwischen Medikamenten und Lebensmitteln. Die Folgen reichen von einer abgeschwächten Wirkung bis hin zu lebensgefährlichen Überdosierungen. Diese sind vielen Patienten, aber auch Ärzten zum größten Teil unbekannt. Ich erkläre Ihnen, welche Kombinationen besonders riskant sind.

Grapefruit und Pomelos

Das Problem ist altbekannt und wurde erstmals 1989 als Zufallsbefund beschrieben. Verschiedene Inhaltsstoffe in diesen beiden Zitrusfrüchten können enzymatische Transportsysteme im Körper beeinflussen. Die Wirkung zahlreicher Arzneimittel hängt von diesen Mechanismen ab. Dadurch kann die Wirkung des Medikaments erheblich gesteigert werden. Das gilt für bestimmte Wirkstoffe aus den Gruppen der

* Statine (z. B. Lovastatin, Simvastatin), u. a. bei zu hohem LDL-      Cholesterin
* H1-Antihistaminika (z. B. Terfenadin), u. a. bei Allergien
* Immunsuppressiva (z. B. Ciclosporin, Tacrolimus), u. a. bei  Autoimmunerkrankungen, gegen Transplantat-Abstoßung
* Kalziumantagonisten (z. B. Amlodipin, Nifedipin, Verapamil), u. a. bei zu  hohem Blutdruck
* bestimmte Psychopharmaka, Antiepileptika, HIV-Virustatika, Zytostatika

Das ist nur eine kleine Auswahl. In wenigen Fällen kann die Wirkung reduziert werden. Das gilt beispielsweise für einige sog. Prodrugs (inaktive oder wenig aktive Wirkstoffe, die erst im Körper durch Verstoffwechselung aktiv werden).

Tipp:  Verzichten Sie am besten grundsätzlich auf Grapefruits, Pomelos und Produkte aus diesen Früchten, wenn Sie Medikamente einnehmen. Die Zahl der betroffenen Wirkstoffe ist einfach zu groß, und eine als unbedenklich geltende Verzehrmenge ist nicht festgelegt. Die Wechselwirkung hält zudem über etliche Stunden, so dass ein Einnahmeabstand nicht ausreicht.

Milchprodukte und Mineralwasser

Kalzium, Magnesium, Zink, Eisen und andere Mineralstoffe können mit zahlreichen Arzneimitteln sogenannte Chelatkomplexe bilden. Diese sind schwer löslich und können deshalb nur schlecht in die Blutbahn aufgenommen werden. Vor allem Schilddrüsenhormone, Bisphosphonate (z. B. zur Osteoporose-Therapie) und bestimmte Antibiotika (z. B. Fluorchinolone, Tetracycline) werden beeinträchtigt.

Bei Milch und Milchprodukten ist es vor allem das Kalzium und wahrscheinlich auch das Kasein (Milcheiweiß), das die Wirkung des Arzneistoffes verhindert. Dazu gehört natürlich auch die Milch im Kaffee, andererseits gilt hier wie anderswo die Regel, dass die Dosis entscheidet. Wenig Milch bildet wenige Chelate, viel Milch viele.

Zur Einnahme von Medikamenten werden häufig Leitungs- oder Mineralwasser empfohlen. In verschiedenen Regionen Deutschlands kann das Leitungswasser aber so viel Kalzium enthalten, dass Wechselwirkungen mit dem Arzneistoff nicht auszuschließen sind. Auch in Nahrungsergänzungsmitteln und Medikamenten (z. B. Antazida) können Kalzium und andere Mineralstoffe enthalten sein.

Ratschlag:  Informieren Sie sich bei Ihrem Wasserwerk, wie hoch der Gehalt an Mineralstoffen im Leitungswasser ist. Für die Arzneimitteleinnahme können Sie auch auf kalziumarme Mineralwässer ausweichen. Milch, Buttermilch & Co. sollten Sie ohnehin für die Einnahme von Medikamenten strikt meiden. Bei den oben genannten Arzneistoffen sollen Sie einen Mindestabstand von mindestens vier Stunden zum Konsum von Milch(produkten) einhalten.

Quelle:  © 2019 FID Verlag GmbH