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Alkoholmissbrauch: Zerstörerische Wirkung im Gehirn hält an!

von Dr. Martina Hahn-Hübner

Alkoholmissbrauch kann zu schweren gesundheitlichen Schäden führen, unter anderem Ihr Gehirn angreifen. Das Erschreckende: Diese Prozesse stoppen nicht etwa, wenn Sie aufhören zu trinken. Vielmehr haben Untersuchungen an inzwischen trockenen Alkoholabhängigen gezeigt, dass sie weiter voranschreiten. Und das über Wochen hinweg, selbst wenn Sie keinen Tropfen Alkohol mehr zu sich nehmen.

Weiße Hirnsubstanz wird angegriffen

Erkannt hat dies eine internationale Forschergruppe des Instituto de Neurociencias de Alicante, die mit dem Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) in Mainz zusammenarbeitete. Die Wissenschaftler haben eine Studie mit 91 Patienten durchgeführt. Dabei handelte es sich um alkoholabhängige Männer, die während der ersten sechs Wochen ihrer Abstinenz begleitet wurden. Die Aufmerksamkeit galt ihren Gehirnen. 36 gesunde Männer, die nicht alkoholabhängig waren, bildeten die Kontrollgruppe.

Die Forscher nutzten eine besondere Methode der Magnetresonanztomografie (MRT), mit der sie die Bewegung von kleinsten Wassermolekülen im Gehirn zeigen konnten. Der Vorteil an dieser Technik: Durch sie kann man die kleinsten Veränderungen der weißen Hirnsubstanz erkennen. Und aufgrund dieser Untersuchung wiesen die Wissenschaftler nach: Alkohol schädigt die weiße Hirnsubstanz auch dann, wenn die Betroffenen schon sechs Wochen lang keinen Tropfen Alkohol mehr angerührt hatten.

Bei der weißen Substanz handelt es sich überwiegend um Nervenfasern, sie umkleidet sozusagen die unterschiedlichen Hirnbereiche und verbindet diese. Daher wird sie für unterschiedlichste Abläufe gebraucht: für die Steuerung des Körpers, für Lernprozesse oder auch für das Gedächtnis.

Hirnschädigungen schreiten nach Abstinenz voran

Aber waren die Schäden tatsächlich dem Alkohol zuzurechnen? Um das herauszufinden, untersuchten die Forscher 36 Ratten genau auf die gleiche Art und Weise. Die Tiere zeigten, wenn sie vorher Alkohol gewöhnt waren, identische Hirnveränderungen im MRT. Daher konnten die Wissenschaftler auch andere Risikofaktoren wie zum Beispiel falsche Ernährung oder Rauchen komplett ausschließen.

Der Rattenversuch zeigte zudem: Es kommt schneller als gedacht zu den Schäden. Denn die Ratten waren nur über sehr kurze Zeit dem Alkoholeinfluss ausgesetzt. Und dennoch schritten die Schädigungen beim Entzug weiter fort.

Die Wissenschaftler empfehlen daher, Alkohol nur selten zu trinken, da auch andere Studien zeigen: Bereits kleine Mengen richten großen Schaden an – je größer die verzehrte Menge, desto größer das Risiko für gravierende Gesundheitsschäden. Daher sollten Männer nicht mehr als 24 Gramm und Frauen nicht mehr als 12 Gramm reinen Alkohol pro Tag zu sich nehmen, was zwei bzw. einer Flasche Bier entspricht. Zudem sollte an mindestens zwei Tagen pro Woche komplett auf Alkohol verzichtet werden.

Quelle:  FID-Verlag